Das Gundelinger Feld ist ein altes Fabrikgelände, dem vor einigen Jahren neues Leben eingehaucht wurde. Der Mix aus unterschiedlichen Initiativen und Betrieben ist belebend. Die Macherinnen und Macher sprühen vor Innovationsfreude. Daher haben sie nicht nur das alte Kohlesilo mit farbigen ­PV-Zellen bestückt, sondern auch noch weitergedacht. Im Keller bekommen alte Batterien der E-Mobilität ein zweites Leben geschenkt. Das ist nicht mehr und nicht weniger ein Prototyp, um beim Thema dezentrale Speichermöglichkeiten und Solarenergie weiterzukommen.

Die Vision einer 2 000-Watt-Gesellschaft ist in einigen grösseren Städten der Schweiz inzwischen als Leitmotiv verankert. In Basel geht man bewusst auf folgendem Weg: Weniger Ressourcen verbrauchen, die Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern, heisst der Dreiklang. Die Praxis ist aber politisch in der Gesamtschweiz umstritten, und es ist auch vieles noch im Forschungsstadium. Das betrifft zum Beispiel dezentrale Speicherungsmöglichkeiten. Hier braucht es neben Wissenschaftlern und Tüftlern praktische Visionäre, die anpacken und ausprobieren.

Zweites Leben für Batterien
Das Gundelinger Feld bietet hier den idealen Rahmen für Räume, in denen innovative Ideen wachsen können. Hier trifft die Besucherin und der Besucher auf ein Modell, welches bisher in der Schweiz als singulär gilt: einen einzigartigen Batteriespeicher. Dieser puffert den Solarstrom aus den Farbzellen, die auf dem Dach und an den Fassaden des alten Kohlesilos in zwei ­Modulen mit zusammen 40 kWh Kapazität und einer Lade- / Entladeleistung von 20 kW angebracht sind. Der Speicher stellt sicher, dass Solarstrom auch in der Nacht verfügbar ist. Zudem gibt es ja selbst am Rhein in Basel im Sommer zwei, drei Schlechtwetter-Tage, die es zu überbrücken gilt. Das Einzigartige am Basler Speicher ist sein Innenleben: Er besteht aus gebrauchten Batteriezellen, die zuvor in Elektromobilen, der ersten Generation der Marke Twike eingebaut waren, dort aber nicht länger verwendet werden können, da ihre Ladekapazität auf unter 70 Prozent gesunken ist.

Hier, im Gundeldinger Feld, treten die ­Gebraucht-Batterien nun ihre zweite Lebenshälfte an. Sie bekommen eine zweite Chance. Das läuft zwar mit verminderter Kapazität, aber immer noch gut genug für den Zweck, den vor Ort erzeugten Solarstrom über Stunden oder Tage zu puffern, bis er von den Nutzern gebraucht wird. Wenn sich die Hoffnungen der Visionäre erfüllen, wird die Stromversorgung der ­Gewerbetreibenden dank des Second-Life-Batteriespeichers von April bis Oktober netzunabhängig funktionieren.

Neue Möglichkeiten und einige Fragen
Für Speicherlösungen können neben Twike-­Batterien auch andere Gebrauchtbatterien verwendet werden: Batterien aus Elektrovelos wie zum Beispiel dem Flyer, oder aus Elektroscootern. Wenn jetzt die E-Mobilität an Fahrt gewinnt, kommen sicher die leistungsstarken Batterien von neuen Elektro­autos – nicht nur dem Tesla – und Plug-In-Hybriden zum Zug, von denen bisher weltweit rund eine Million Fahrzeuge verkauft wurden.

Es gibt aber noch einige offene Fragen. Niemand weiss zum Beispiel, wie lange die alten Batterien in ihrem zweiten Leben durchhalten. Die Herstellerangaben zur Lebenszeit der Batterie sind nur bedingt aussagekräftig, da sie unter Laborbedingungen gewonnen wurden, die die realen Einsatzbedingungen nur unzureichend abbilden.

Die gewonnen Erfahrungen können dann aber die Nutzer von Nachfolgemodellen berücksichtigen. Wer auf regenerative Energien setzt, braucht auch nützliche dezentrale Speichermöglichkeiten.

Weitere Informationen:
www.2000-watt.bs.ch
www.fhnw.ch/habg/iebau
www.insitu.ch
www.dreifels.ch