In unmittelbarer Nähe zueinander liegen das Bürohaus «The Edge» und das Laborgebäude «O|2» im Amsterdamer Stadtteil ZuidAs. Das Wirtschafts- und Finanzzentrum der Niederlande ist geprägt von moderner, geradliniger und nachhaltiger Architektur. An diesen Stil sollte sich auch die Entwässerungslösung vor den Eingängen der beiden Neubauten anpassen.

Die Südachse (ZuidAs) Amsterdams hat eine Immobilienkapazität von bis zu 4.2 Millionen Quadratmetern. Ein Grossteil dieses Potenzials soll in den kommenden Jahren ausgeschöpft werden. Geplant ist, das Areal bis 2040 fertig­zustellen. Dieses ist so konzipiert, dass es sich zum einen international behaupten kann, zum anderen aber auch traditionelle Elemente Amsterdams aufweist. Angedacht ist, eine hochwertige Lebens- und Arbeitsumgebung zu schaffen, die dynamisch und behaglich zugleich ist. Zudem soll ein sicherer, gut erreichbarer und fortwährender Standort entstehen.

Eines der nachhaltigsten Gebäude
Dem ökologischen Gedanken des Stadtteils entspricht insbesondere das Büro­gebäude «The Edge» an der Gustav Mahler Laan. Das 40’000 Quadratmeter grosse Bauwerk gilt als eines der nachhaltigsten und intelligentesten der Welt. Der internationale Immobilienentwickler und Investor OVG Real Estate hat es so konstruiert, dass es unter anderem seinen Energieverbrauch stetig dokumentiert und sich den veränderten klimatischen Bedingungen anpasst. Bei der Realisierung arbeitete die OVG Real Estate eng mit ihren Partnern zusammen, insbesondere dem Hauptmieter Deloitte, der weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft. Durch die intensive Kooperation ist ein Gebäude entstanden, das den Fokus auf Komfort, Gesundheit und Produktivität der Mitarbeiter legt. Für die clevere Technik und die Nutzung fortschrittlicher Innovationen wurde das Gebäude durch die Jury der Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology (BREEAM) mit der höchsten je vergebenen Bewertung ausgezeichnet. «The Edge» hat das Zertifikat «herausragend» erhalten und im Rating 98.36 Prozent erreicht. Damit hat es das vormals höchstplatzierte Londoner Gebäude «One Embankment Place» überholt. Die Gewerbeimmobilie ging in der Kategorie «Office New» als Sieger des BREEAM Awards hervor. Zusätzlich wurde sie mit dem Publikumspreis «Your BREEAM» prämiert.

PLP Architecture, London, hat eine Arbeitswelt rund um ein 15-stöckiges Atrium mit Restaurant, Café, Ausstellungs- und Konferenzräumen entworfen. Klimatische und energetische Effizienz ist durch die Form und die Ausrichtung des Gebäudes gegeben. Unter anderem tragen Solaranlagen an der Südfassade und ein thermischer Aquiferspeicher1 unterhalb des Hauses zur Energieneutralität bei.

Mit seiner Leichtigkeit fügt sich «The Edge» harmonisch in die Architektur des gesamten Stadtteils ZuidAs ein. Schon der Eingangsbereich zeichnet sich durch Geradlinigkeit und ein minimalistisches Design aus. Möglichst dezent und weitgehend unsichtbar sollte sich auch das Entwässerungssystem in den Bodenbelag einfügen. Schmale Rinnen waren gefragt, die gleichzeitig für zuverlässiges Ableiten des anfallenden Regenwassers sorgen. Diese Anforderungen erfüllen die Schlitzrinnen Lamina der Firma Richard Brink. Sie wurden von Mitarbeitern der Tilma Totaal Afbouw B.V. im Auftrag des Bauunternehmens G & S Bouw sowie den beratenden Ingenieuren der Deerns Group verlegt. Die Entwässerungslösung aus Edelstahl erstreckt sich über den gesamten Sockel des Gebäudezugangs. Insgesamt wurden 41 Meter der Schlitzrinnen verlegt. Dank ihrer Höhenverstellbarkeit passen sich die Rinnen an das Gefälle an. Drei massgefertigte Revisionskästen dienen zur einfachen Reinigung des Systems. Sie lassen sich mittels einsetzbarer Verschlusskästen mit aufschraubbaren Griffen problemlos öffnen, spülen und säubern. Da die Abdeckungen der Revisionskästen als Plattenschale ausgebildet sind, konnte der Naturstein des Eingangsbereichs in sie hineingelegt werden. So ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild.

Effizientes Labor
Das Laborgebäude «O|2» der VU (Vrije Universiteit Amsterdam) befindet sich in der De Boele Laan, wenige Meter entfernt von «The Edge». «O|2» steht für Sauerstoff und ist somit ein Lebenssymbol. Es ist ­eines der ersten niederländischen Universitätsgebäude, das für ein spezielles Forschungsthema errichtet wurde. In dem Labor befassen sich Wissenschaftler der VU Universität Amsterdam, des Medizinischen Zentrums der VU und der Universität Amsterdam mit relevanten Aspekten auf dem Gebiet «Human Health & Life Sciences». Indem sie die hochwertige Ausstattung gemeinsam nutzen, werden eine effiziente Zusammenarbeit sowie der Wissens­transfer ermöglicht.

EGM Architekten haben das Labor in Form eines grossen Kubus mit zwei Ausschnitten entworfen. Verwinkelte Säulen unterstützen deren Aufbau. Ein Atrium lässt Tageslicht in alle Bereiche des 33’000 Quadratmeter grossen Gebäudes dringen. Die erste Ebene dient als grosszügiger Platz mit ­Restaurants, einem Informationscenter, ­einem Konferenzsaal, Besprechungs­räumen und einer Fahrradstation. Unter dem Bauwerk befindet sich ein Parkhaus. Auch bei diesem Projekt stand der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund: Beispielsweise erfolgt die Kühlung mittels Wasser aus dem nahe gelegenen See Nieuwe Meer, und das begrünte Dach wirkt isolierend.

Die Anforderungen an Funktion und Design des «O|2»-Labors ähneln denen von «The Edge». Klare und dennoch zurückhaltende Formen prägen den Würfel und dessen Fassade. Passend dazu setzten die Verarbeiter des Unternehmens Van Stokkum hier ebenfalls die höhenverstellbaren Schlitz­rinnen Lamina vor dem gesamten Eingang ein. Da lediglich minimale Spalten vorhanden sind, die das Wasser ableiten, ermöglicht die schmale Entwässerungslösung den zahlreichen Fussgängern einen komforta­blen Übergang zwischen aussen und innen. Das System mit zwei Revisionskästen in Sonderanfertigung und 43 Metern Rinne ­fügt sich ebenerdig in den Boden ein. Die Plattenschalen wurden mit dem Beton­belag des Eingangsbereichs ausgekleidet. Durch die Ausführung in 1.5 Millimeter Edelstahl ist eine optisch ansprechende und dauerhaft hochwertige Lösung entstanden, die den vorderen Gebäudeabschnitt dezent aufwertet.

Anmerkung
1 Aquiferspeicher (auch Aquifere-Speicher genannt) sind ­unterirdische, natürliche Speicher innerhalb von Gesteinsschichten. Sie werden dazu benutzt, zum Beispiel Solarwärme, Abwärme aus Blockheizkraftwerken oder Kälte saisonal zu speichern. Ein Aquiferspeicher kann zum Beispiel die sommerliche Abwärme für den Winter in einer Tiefe von 280 Metern und die Kälte­erträge aus dem Winter in einer 60 Meter tief gelegenen Schicht speichern. Diese Kälte bzw. Wärme wird dann nach Bedarf in der jeweiligen anderen Jahreszeit wieder entnommen.

Weitere Informationen:
www.richard-brink.de