An der Lenk im schönen Simmental im Berner Oberland war der Chefredaktor bisher nur zum Skifahren. Nun besuchte er den Managing Director Benjamin Zbären der Zbären Kreativküchen AG. Der Name Zbären verbindet die Kombination von traditionellen Werten und innovativer Professionalität. Wie wird diese heute umgesetzt? Nach der Führung durch Ihre Produktionsstätten habe ich folgenden Eindruck: Ich bin in einer klassisch handwerklichen Manufaktur, die eigentlich im 20. Jahrhundert durch die industrielle Fertigung ersetzt wurde, die aber in Teilen mit sehr modernen Technologien arbeitet. Täuscht dieser Eindruck?

Nach der Führung durch Ihre Produktionsstätten habe ich folgenden Eindruck: Ich bin in einer klassisch handwerklichen Manufaktur, die eigentlich im 20. Jahrhundert durch die industrielle Fertigung ersetzt wurde, die aber in Teilen mit sehr modernen Technologien arbeitet. Täuscht dieser Eindruck?
Bei uns geht es bei jedem Produkt um eine gelungene Symbiose von Technik und Handarbeit. Wir müssen immer wieder viel Geld in neue Technik investieren. Gleichzeitig brauchen wir Fachkräfte, die Fingerfertigkeit besitzen, ein gutes Auge haben und ein sensibles Gespür für das Material Holz entwickeln. Holz ist ein Material, welches sehr individuell daherkommt. Kunststoff sieht im Rahmen einer Produktlinie immer gleich aus, Holz sieht immer unterschiedlich aus.

Das Thema Holz ist anspruchsvoll?
Wir bringen anspruchsvolle Kunden und anspruchsvolle Materialien zusammen. Jede Küche ist bei uns ein Unikat. Es darf aber nicht wie eine Bastelarbeit aussehen, sondern muss höchsten technischen und ästhetischen Prinzipien Rechnung tragen. Das gilt im Übrigen für die gesamte Wertschöpfungskette. Holz ist ja zunächst in einem Zustand, wo es noch nicht verarbeitet werden kann. Und dann, wenn es bearbeitet wird, laufen nicht nur Maschinen drüber, sondern es wird in jedem Produktionsschritt Hand angelegt. Wir arbeiten hier nicht mit Kunstharz-Lösungen, die einfach zugeschnitten werden, sondern mit Holzprodukten, welche in jedem Produktionsschritt verändern. Bei einer Massivholzfront muss ich genau wissen, wie was zusammenpasst.

Die Geschichte von Zbären begann hier an der Lenk als Schreinerei in einem damals noch abgelegenen Alpental Mitte des 20. Jahrhunderts. Wie sahen die historischen Etappen aus, die zu einem Anbieter von edelsten Küchen führten?
In einem Bergdorf mit der Konkurrenz von anderen Schreinern, die alle ähnliche Produkte produzierten, war es ökonomisch schwierig zu überleben. Es gab viele Schreiner, aber keine Küchenbauer. Damals stellten Schreiner, Möbel, Fenster, Türen und Särge her. Mein Vater hat sich dann entschlossen, im Berner Oberland sich als Küchenbauer im gehobenen Niveau zu platzieren. So sah der Beginn aus.

Das war der erste neue Schritt Mitte der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Wie ging es dann weiter?
Mein Vater hatte sehr kreative Ideen, um zunächst hier und dann im Saanenland sehr spezielle Küchen zu fertigen. Die Technologien und die Moden waren damals anders, aber unsere Philosophie ist noch heute, auch bei schwierigen Herausforderungen Lösungen zu finden.

Die Kundenwünsche sind auch sehr unterschiedlich. Ich habe bei unserem Rundgang Elemente für Küchen in einem klassisch weissen Landhaustil gesehen. Dann gibt es hier aufwändige und mehrfache Schleiflacklackierungen und eine Küche, die sehr gross dimensioniert ist.
Ja, das ist ein grosser Auftrag für Moskau.

Dann sah ich Küchenverblendungen, die wie Aluminium aussahen, es ist aber Holz mit einer speziellen Lackierung. Das sieht alles andere wie Alltag aus. Gibt es in dieser Vielfalt auch Trends und Anforderungen von Ihrer Kundschaft?
Wir arbeiten sehr gerne mit natürlichen Materialien, die wir aber aufwendig verarbeiten. Diese Philosophie kommunizieren wir auch unseren Kunden, ohne pädagogisch zu werden. Dann gibt es aber auch oft Vorgaben von Architekten, die wir dann auch akribisch umsetzen. Das Beispiel aus Moskau ist solch ein Fall. Am Ende des Tages muss die Lösung zum Kunden und zur Umgebung passen.

Küche ist aber heute, gerade bei Ihrer Kundschaft, ein Prestige-Objekt. Zudem ist Küche heute auch wieder zentraler Kommunikations- und nicht Funktionsraumraum – gerade im hohen Preissegment. Da muss man vor Ort sein, oder?
Wir sind fast immer vor Ort. Wir wollen mit unseren Endkunden direkt kommunizieren. Der Kunde solle auch spüren, was wir machen, daher ist er auch oft bei uns hier in der Produktion oder im Showroom. Das ist ein beidseitiger Kommunikationsprozess.

Wie sehen ausländische Märkte für Sie heute aus und wie haben sie sich verändert?
Da gibt es Veränderungsprozesse. London war für uns noch vor wenigen Jahren ein sehr wichtiger Markt. Heute hat er an Bedeutung verloren. Das hat auch mit veränderten Währungsverhältnissen zu tun. Dagegen ist die Côte d`Azur für uns ein wachsender und spannender Markt. Dort können wir dann ja auch im Rahmen von fünf, sechs Stunden sein.

Planen Sie, sich auch im Ausland mit eigenen Filialen zu platzieren?
Wir planen keine Standorte ausserhalb der Schweiz. Mit unserer Philosophie sind wir hier verankert. Das hat auf den ersten Blick Nachteile, da wir manchmal lange Lieferwege haben und selber vor Ort montieren, aber es lohnt sich, und unsere Kunden sind zufrieden.

Da könnte man sagen: Ziel erreicht. Aber Ausruhen ist auch in ihrer Branche der falsche Tipp. Was wollen Sie in den nächsten Jahren noch erreichen?
Wir leben in einer spannenden Zeit, die auch sehr viele Herausforderungen mit sich bringt. Es gibt heute viel mehr Materialien im Küchenbau, wie noch vor 20 Jahren. Daraus folgt auch dass der Beratungsprozess länger dauert. Dann kommen neue Technologien unter dem Stichwort Digitalisierung auch auf unsere Agenda. Das ist herausfordernd, und es kommt garantiert keine Langeweile auf. Wir sind aber trotz aller Veränderungen und Technologien weiter als Familienunternehmen hier in der Region verankert und wollen hier langsam wachsen.

www.zbaeren.ch