Kaspar Sutter ist Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt

Es begann vor mehr als 40 Jahren vor den Toren der Stadt Basel: In Kaiseraugst war ein Atomkraftwerk geplant. Der Widerstand gegen das Vorhaben war in der Region Basel sehr gross. Das AKW wurde nicht gebaut.

Aber Nein sagen zu Atomkraft genügt nicht: Seither betreibt unser Kanton eine ambitionierte Energiepolitik – wir setzen auf erneuerbare Energie und fördern diese gezielt. Seit 2009 wird der in Basel-Stadt verbrauchte Strom zu 100 Prozent erneuerbar produziert, zum grössten Teil aus Wasserkraft. Auch Photovoltaik (PV) macht Fortschritte. Für Neubauten auf dem Kantonsgebiet gibt es eine Solardachpflicht. PV-Anlagen werden nicht nur mit Förderbeiträgen des Bundes unterstützt, sondern zusätzlich vom Kanton: Wer gleichzeitig mit dem Bau einer PV-Anlage sein Dach energetisch saniert, bekommt doppelte Förderbeiträge. Auch gehört der Einspeisetarif von 14 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) zu den höchsten im Land. Seit zehn Jahren steigt die Zubaurate von PV-Anlagen deutlich: Wurden zwischen 2000 und 2011 nur bis 30 Anlagen jährlich gebaut, waren es zwischen 2012 und 2021 bereits 75 bis 150. Ende 2021 waren 1130 PV-Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 31 Megawatt Peak (MWP) in Betrieb. Es geht also voran, aber das Tempo muss noch gesteigert werden. Mit der Solaroffensive wollen wir ab 2023 die PV-Nutzung bei öffentlichen und privaten Gebäuden und Infrastrukturen markant ausbauen.

Basel hat viele historische Bauten. Der Zielkonflikt zwischen Ästhetik und Klimaschutz macht den Bau von PV-Anlagen zu einer Herausforderung. Neue Möglichkeiten wie PV-Anlagen an Häuserfassaden beleben diese Diskussion positiv. Wir haben in Basel zwar erst wenige Beispiele von fassadenintegrierten Anlagen. Aber diese überzeugen mit ihrer unterschiedlichen Gestaltung von Farbe und Form. Ein Beispiel steht direkt in der Innenstadt: der Neubau des Amts für Umwelt und Energie. Dank fassadenintegrierten PV-Anlagen wird sich Ästhetik und Energiegewinnung besser verbinden lassen. Die technische Weiterentwicklung wird die Stromproduktion an und auf Gebäuden selbstverständlich machen. Sie wird helfen, den Zielkonflikt aufzulösen – zusammen mit guter Architektur.

 

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